Beiträge von Jónas Sigurðsson

    Das kann ja jeder selbst für sich entscheiden, wieviel von seiner RL-Person in welcher seiner IDs steckt. Aber wenn eine hitzige Diskussion das Ziel ist, dann passiert das tatsächlich meistens nur, wenn die Meinung nicht nur gespielt ist.

    Und selbst beim Fußball-Setzsystem gibt es Leute, die sich damit auskennen, und andere, die es nicht tun. Es ist ja kein Zufall, dass in der Endrunde immer wieder dieselben Namen auftauchen und andere regelmäßig in der Vorrunde ausscheiden. Das schöne ist aber, dass auch letztere immer wieder mitmachen und auch bei chronischem sportlichen Misserfolg oft mehr zur Stimmung beitragen als andere.


    Wenn es gelänge, diese "Dabei sein ist alles"-Mentalität auf den Songcontest zu übertragen, könnte es dort genauso laufen. Ich sehe natürlich ein, dass die Hemmschwelle, sich musikalisch zum Kasper zu machen schon noch höher ist, und ich weiß nicht, ob ich selber einen Beitrag zustandebringen würde (auch eine Zeitfrage). Aber rein prinzipiell gehe ich schon davon aus, dass die allermeisten von uns zumindest eine Stimme und irgendein Gerät, um diese aufzunehmen, haben. Nicht können stimmt also eigentlich nicht, es ist höchstens ein nicht gut können. Aber nicht gut können stört bei der Fußball-WM auch niemanden.


    Deinen Ansatz für ein Musikfestival kann man natürlich auch nehmen, dagegen spricht überhaupt nichts. Aber das hat dann eben einen komplett anderen Charakter und spricht wahrscheinlich einen anderen Spielerkreis an.

    Ich denke auch, dass das einfach ein Unterschied in der Spielkultur ist, und dass sich in diesem Punkt die meisten MNs noch so verhalten wie sie das immer getan haben. Ein "MN-Generationen-Problem" ist es höchstens insofern als dass mir das Phänomen von Staaten wie Livornien, die einen extremen Fokus auf Rollenspiel und Realismus legen (und es konsequenterweise vermeiden, sich MN zu nennen), noch relativ neu vorkommt.


    Diese andere Spielkultur kann ich logisch auch nachvollziehen. Wenn man strikt auf Realismus bedacht ist, dann nimmt ein (Ex-)Außenminister nicht an einem Songcontest teil und lässt sich bei einem Fußball-WM-Spiel einwechseln. Und dann tritt auch bei einem Songcontest kein Kandidat an, der keine absolut professionelle Performance darbieten kann. Ich muss anerkennen, dass das alles seine innere Logik hat. Aber dafür geht der Community-Aspekt der MNs verloren, der auch simon immer mit reinspielt und für mich die MNs zu dem macht, was sie sind, und das ganze wird eher steril und unpersönlich. Aber das ist eben eine Geschmacksfrage.


    Bei einem Songcontest konkret wäre ich wirklich gespannt, welche Werke sich verschiedene Spieler ausgedacht und eingereicht haben, und hätte sicher auch Spaß daran, an der Veranstaltung teilzunehmen und über die Darbietungen zu reden. Wenn es nur ein Thread voller Youtube-Videos ist, dann würde ich ihn ehrlichgesagt wahrscheinlich sogar ungelesen links liegen lassen.

    Ich glaube, das Argument von Lord Reis war: Wenn man ohnehin schon bewusst sinnfrei diskutiert, kann man dafür ja wenigstens Themen nehmen, die auch Spaß machen. Das finde ich prinzipiell auch einen guten Ansatz.

    Naja, dass man bei der Tour de France nicht statt mit einem Fahrrad auch mit einem Formel-1-Auto mitfahren darf, ist in irgendeiner Weise auch einschränkend. Aber im Sinne der Vergleichbarkeit vielleicht trotzdem besser so.

    Selbst wenn man darauf Lust hätte, so ein Thema lässt sich simon überhaupt nicht sinnvoll diskutieren, weil man sich dazu erst einmal auf global gültige Fakten zum Thema einigen müsste. Ansonsten wird die Diskussion noch faktenbefreiter als eh schon im RL.

    Ich bin zu spät eingestiegen, um die alte Art des Micronalismus noch erlebt zu haben. Vielleicht könnt ihr beide, Jonas und Monsieur Reis, uns etwas von der alten Zeit erzählen? Mich würde es wirklich interessieren, wie es früher war.

    Ganz einfach: Niemand hat es komisch gefunden, dass die Leute selber kreativ werden und etwas vielleicht nicht ganz professionelles produzieren anstatt nur langweilig existierende Youtube-Videos wiederzuverwenden. ;)

    Könnte mal wieder etwas damit zu tun haben, dass PoC kein Wort ist, das klassische MNler in den Mund nehmen würden. ;)


    Also der gute alte Konflikt zwischen Mikronationen und reinen, vom RL komplett abgekoppelten Simulationen.

    Die Variante mit Pixeln zählen ist die Methode, die ich am Anfang mal (vermutlich von einem der Kartenzeichner) so erklärt bekommen habe. Man kann das sicher auch aus der Vektorgrafik berechnen, aber das habe ich noch nie gemacht. Um wieviel es dann genauer wird, hängt davon ab, wie detailliert die Umrisse gezeichnet sind.

    Im Prinzip musst du nur die gewünschte Fläche im Grafikprogramm deines Vertrauens markieren und dann nachschauen, wie viele Pixel das sind. Ich habe das mit Gimp schon einmal gemacht, obwohl ich jetzt sicher auch wieder suchen müsste, wo die Information genau angezeigt wird. Anschließend das CartA-Forum nach dem korrekten Umrechnungsfaktor von Pixel nach km² durchsuchen (ich hoffe jedenfalls, dass er da irgendwo zu finden ist), und umrechnen.


    Wenn du darauf hoffst, dass das jemand anderes für dich macht, solltest du zumindest noch angeben, ob deine Umrandung zur gewünschten Fläche dazugehört oder nicht. Ich vermute ja?

    Du sagst es selbst: Du drückst Dich überspitzt aus. Daher lassen sich die beiden Fragen tatsächlich klar beantworten.

    Hat der Mensch Einfluss auf den Klimawandel? Ja.

    Sind die Ausländer an allem schuld? Nein.

    In anderen Worten: Du erhebst einen Anspruch darauf, dass diese Antworten die einzige Wahrheit sind. Und meines Erachtens diskreditierst du deine Meinung dadurch nicht, sondern du würdest sie im Gegenteil diskreditieren, wenn du den Anspruch nicht erheben würdest.


    Nicht anderes als dass es auch solche Fragen gibt, habe ich behauptet.

    Stellt man die Fragen anders – weniger zugespitzt und offener –, gibt es keine objektiv zutreffenden Antworten mehr.

    Wie groß ist der menschliche Einfluss auf den Klimawandel? Umstritten, da letztlich jede Studie etwas anderes behauptet.

    Es gibt immer noch eine objektive Antwort, wir kennen sie nur nicht. Und wenn es um Zahlen geht, muss ich anders als bei den meisten Ja-/Nein-Fragen nicht darauf bestehen, dass es 99,8 und nicht 100,1 ist, um meinen eigenen Standpunkt nicht abzuwerten, das passt größenordnungsmäßig zusammen. Aber möglicherweise muss ich es ziemlich entschieden ablehnen, wenn jemand auf dieselbe Frage 42 Milliarden antwortet (oder natürlich meine Meinung revidieren, wenn ich sie als falsch erkenne). Während ich 99,8 und 100,1 als Ungenauigkeit im Ausdrücken derselben Wahrheit nebeneinander stehen lassen kann, kann ich das mit 99,8 und 42 Milliarden kaum.


    Was ich letztendlich sagen will, ist, dass eine Meinung oft in irgendeiner Weise mit dem Anspruch einhergeht, die einzige Wahrheit zu sein. Und dass das zwar nicht immer, aber doch immer wieder auch sehr vernünftig ist, weil ich krasse Widersprüche nicht einfach nebeneinander stehen lassen und so tun kann als wären beide Seiten richtig.

    Allerdings geht der "menschliche Klimawandel" mit dem natürlichen der vergangenen Jahrhunderte einher. Noch vor zwei, drei Jahrhunderten war es – Stichwort "Kleine Eiszeit" – merklich kälter als heute. Das ist eine natürliche Entwicklung, die durch menschlichen Einfluss verstärkt wird. In welchem Ausmaß, ist eben umstritten.

    Das ist eine völlig andere Diskussion als die, die ich hier mit meinem Kommentar ausgelöst habe. Zugegebenermaßen ist es das vorherige Thema, von dem ich wohl unbeabsichtigt ein bisschen abgelenkt habe. ;)


    Vielleicht sage ich später noch ein bisschen mehr dazu, aber ich glaube, der wichtigste Punkt ist, dass man nicht von "das ist teils noch umstritten" schließt "na dann können wir das Thema ja vergessen und über andere Sachen nachdenken".

    Würdet ihr mich denn wählen? ;)


    Nein, aber ernsthaft: Was für eine Erklärung hast du denn erhalten? Wenn du schon die Bemerkung machst, dann will ich doch auch wissen, was du damit meinst.

    Ich glaube nicht, dass die deutschen Politiker unter den Politikern der Welt in irgendeiner Weise einzigartig wären. Aber was an unserer Diskussion erinnert dich speziell an deutsche Politiker?


    Abgesehen davon, in den MNs wird RL-Politik nur noch selten diskutiert, deswegen kann ich es nicht sicher sagen, aber ich würde mich wundern, wenn wir in den wesentlichen Fragen alle soweit übereinstimmen würden, dass eine Partei aus uns allen irgendeinen Sinn ergeben würde. ;)

    Du meinst, es gibt Leute, die bestreiten, dass es überhaupt eine objektive Antwort gibt? Okay, mit dieser Ansicht hatte ich bisher noch nicht zu tun. Bei so grundlegenden Unterschieden gibt es dann wahrscheinlich auch nichts mehr zu diskutieren, da fehlt dann die komplette Diskussionsgrundlage, wie wenn sie eine andere Sprache sprechen würden.

    Gerade auf die beiden von Dir angesprochenen Fragen geben eben doch noch sehr viele Menschen eine andere und aus ihrer Sicht genauso objektiv richtige Antwort.

    Wenn es aus ihrer Sicht ist, ist es per Definition nicht objektiv. Ich sage nur, dass es auf diese Fragen eine objektive Antwort gibt, nicht dass es meine ist (auch wenn ich stark davon überzeugt bin). Das ist ein wichtiger Unterschied. Es bedeutet objektiv gesehen nur, dass nicht gleichzeitig beide Meinungen wahr sein können. Und das wiederum heißt, dass beide Seiten davon überzeugt sein müssen, dass ihre Antwort die einzig richtige ist, wenn sie ihre eigene Antwort selbst ernst nehmen.

    Und die wird man meiner festen Überzeugung nach nicht einfach nur mit dem Absolutheitsanspruch der Richtigkeit seiner eigenen Argumentation für seine Sichtweise gewinnen.

    Dass Beweis durch Behauptung keine erfolgversprechende Argumentationstechnik ist, sind wir uns einig. ;)


    Ich sage ja nicht, dass ein Absolutheitsanspruch jemanden überzeugt. Ich sage nur, dass er die eigene Meinung auch nicht unbedingt diskreditiert, sondern dass es bei manchen relevanten Fragen im Gegenteil die eigene Meinung diskreditieren würde, wenn man nicht den Anspruch erhebt, dass es die einzige Wahrheit ist. Wenn man jemanden überzeugen will, muss man die Meinung natürlich trotzdem noch begründen.

    Ja, ich dachte mir schon, dass du das so nicht gemeint hast. Und vieles, was du sagst, sehe ich sehr ähnlich.


    Aber gerade beim Thema hier geht es ja schon auch um Fragen wie "Hat der Mensch Einfluss auf den Klimawandel?", die eigentlich genauso wie "Ist Gras grün oder rot?" eine objektive Antwort haben, die aber wesentlich mehr Menschen verneinen als dass die Erde rund ist. Gleiches gilt für die Frage, überspitzt ausgedrückt, "Sind die Ausländer an allem schuld?" Bei solchen Fragen muss ich dementsprechend meine Antwort absolut setzen.

    Und jeder, der die einzige Wahrheit oder die absolute Richtigkeit seiner Meinung für sich beansprucht, diskreditiert sich und sein, möglicherweise sogar richtiges und berechtigtes Anliegen in meinen Augen selbst.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, worauf du damit hinauswillst, aber so wie du es formulierst, klingt das für mich bedenklich danach, dass ruhig jeder seine eigenen alternativen Fakten haben soll.


    Es kommt natürlich immer darauf an, worum es gerade geht, aber wenn ich überzeugt bin, dass Gras grün ist und du behauptest, dass es rot ist, dann kann ich deine Meinung nicht als genauso richtig akzeptieren. Im Gegenteil muss ich sogar beanspruchen, dass du einfach falsch liegst, wenn ich meine Überzeugung ernst nehme und nicht diskreditieren will.


    Wie ich dann mit dir umgehe, ist eine separate Frage. Ich sollte tolerant sein und es im Wortsinne ertragen, dass da jemand rumläuft, der Gras für rot hält und diese Meinung auch noch öffentlich vertritt. Das heißt aber nicht, dass ich den Absolutheitsanspruch meiner Überzeugung, dass es grün ist, aufgeben kann, ohne gleichzeitig die Überzeugung aufzugeben. Beides gleichzeitig kann nicht wahr sein.


    In anderen Fragen schließen sich die Optionen nicht gegenseitig aus. Wenn man sich beispielsweise über das Problem (die zugrundeliegenden Fakten) einig ist, dann kann es verschiedene Lösungsvorschläge geben, die alle (möglicherweise zu unterschiedlichen Graden) das Problem lösen können. Dann kann ich meinen Vorschlag natürlich nicht absolut setzen und alles andere von vornherein als falsch ablehnen. Ein anderer Vorschlag entspricht vielleicht nicht dem, was ich für am besten halte, aber hier sind Kompromisse möglich, ohne eigene Grundüberzeugungen aufzugeben.